Software Theater
Motivation.
Das Entwerfen und Implementieren von mobilen verteilten interaktiven Anwendungen für direkten Kundeneinsatz, insbesondere zur Unterstützung von Arbeiten an komplexen Systemen, stellt eine Herausforderung an die Reichhaltigkeit der Kommunikation zwischen Anwendungs- und Systemspezialisten dar. Die traditionelle Methode der Projektdokumentation durch papierbasierte und textuelle Beschreibung, in den letzten Jahren auch durch die Modellierung in der graphischen Sprache UML erweitert, bietet noch immer nicht genug Reichhaltigkeit um Missverständnisse zu vermeiden und ein praktisches Erleben des Umgangs mit dem zu entwerfenden System zu simulieren. Daher bedienen wir uns nun eines neuen Mediums, das in der Unterhaltungs- und Werbeindustrie bereits sehr erfolgreich dazu eingesetzt wird, in kurzen prägnanten Bildern den Kern einer Story zu visualisieren: Digitales Video.
Ziel.
Das Ziel des Seminars ist Grundlagen der visuellen Sprache und der Dramaturgie zu vermitteln, bezogen auf die Herausforderung ein visionäres Szenario filmisch so umzusetzen, dass die Kommunikation zwischen Softwaretechniker und Kunde bereichert wird.
Methodik.
Das Seminar behandelt filmische und softwaretechnische Aspekte: Konflikt und Plot Points. Handlung und Subtext. Fragen der Auflösung, der Bildkomposition, der Einstellungsgrößen. Ausdrucksmöglichkeiten der Kamera. Theorie und Übungen zu den Achsen. Prinzipien und Arten des Schnitts. Anforderungsanalyse. Systementwurf. Modellierung. Die Theorie muss in einer praktischen Übung von der Idee bis zum fertigen Produkt umgesetzt werden. Mit einfachen Mitteln werden kleine Szenariofilme entstehen, deren Themen gemeinsam erarbeitet werden.
Die Kernfrage, die wir in diesem Seminar behandeln, ist wie man Anforderungsanalyse (Requirements Engineering), insbesondere für mobile Systeme, näher an den Kunden heran bringen kann.
Softwaretheater ist eine neue Art der Modellierung. Sie zielt auf die Verbesserung der Erfassung von Anforderungen ab. Ausgangspunkt ist, dass Diagramme wie Use Cases von einigen Kunden gar nicht, von anderen teilweise nur schwer erkannt und verstanden werden können. Als Folge sind solche Modelle oft fehlerbehaftet. Dies ist natürlich ein Problem, insbesondere in der frühen Phase der Anforderungsanalyse.
Das Softwaretheater geht weg von der traditionellen Modellierung und beginnt damit, Szenarios zunächst einmal zu verfilmen, um die Anforderungen für ein System verständlicher darzustellen. Erst in der nächsten Phase werden diese Filme dann in traditionelle Modelle umgewandelt. Ziel ist es, möglichst viel Information über das Zielsystem, insbesondere die visionären Aspekte von Szenarios, im Film darzustellen und dann herauszuziehen.
Das klingt sehr schön, wir wissen aber nicht, wie Drehbücher aussehen müssen, sodass sie Grundlage einerseits für den Film und anderseits für Modelle sein können. Akteure sind noch einfach zu erkennen; wie jedoch der Ereignisfluss ausgedrückt wird, wie Vor- und Nachbedingungen auszudrücken sind, alles das ist noch nicht klar. Insofern addressieren wir in diesem Seminar ungelöste Forschungsprobleme. Ein sehr ambitiöses Ziel wäre, aus solchen Filmen (und den zugehörigen Artefakten wie Drehbuch, Shootingliste, Takes, usw.) UML Modelle automatisch zu erzeugen, so wie heute aus UML Modellen bereits Codefragmente erzeugt werden können.